Infrarot-Fotografie

Aktuell probiere ich im Infrarot-Spektrum des Lichts zu fotografieren. Das klappt mit der Leica M8.2 sogar sehr gut. Ohne dass ich dafür ein Stativ und/oder einen teuren Umbau der Kamera brauche. Sie ist quasi die perfekte IR-Kamera. Von Leica wurde sie damals mit einem schwächeren Infrarot-Filter als andere Kameras ausgestattet. Dadurch fällt also mehr infrarotes Licht auf den Sensor. Das hat nun den Nachteil, dass eigentlich schwarze Kunstfasern auf dem Bild einen Rotstich aufweisen. Sehr unschön. Also wird dagegen ein Filter aufgeschraubt, der das Infrarot-Licht aussperrt. Dann ist wieder alles gut um normal fotografieren zu können.

Aber nicht wenn man nur infrarotes Licht auf dem Sensor haben will…

Mit speziellen Filtern kann man das für uns sichtbare Licht fast oder sogar ganz aussperren und nur Infrarot durchlassen. Leider sind die Filter sehr dunkel, was in recht langen Verschlusszeiten resultiert. Spiegelreflexkameras, aber auch Spiegellose haben den Nachteil, dass man nichts sieht, wenn man durch den Sucher blickt. Es ist einfach zu dunkel. Da die Leica M8.2 mit einem Messsucher-System scharf stellt gibt es diesen Nachteil nicht. Man schaut ja nicht durch das Objektiv. Eine Möglichkeit wäre bei den anderen Kameras, respektive die Filter vor dem Sensor, natürlich umbauen. Das ist zwar schon etwas teuer aber auch eine sehr gute Lösung. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Der undefinierte Umbau: Dabei werden alle Filter vor dem Sensor einfach durch Glasplatten ersetzt. Je nachdem wie man fotografieren will muss man dann allerdings verschiedene Filter dabei haben. Also Infrarote, für sichtbares Licht, aber auch Ultraviolett ist möglich.
  2. Der definierte Umbau: Hierbei wird der Infrarot-Filter entfernt, sodass möglichst viel Infrarot auf dem Sensor ankommt und die Filter für das sichtbare Licht werden verstärkt. Die Kamera kann auf eine bestimmte Wellenlänge im Infrarot eingestellt werden. Der gängigste Filter ist der, der Licht mit einer Wellenlänge von ca. 700 nm und Mehr durchlässt. Bilder mit 500 nm-Filtern sehen fast so aus wie normal fotografiert. Hat nicht wirklich was mit dem Infrarot zu tun, das ich will. Bilder mit 800 nm-Filtern sind nur noch Schwarz-Weiß. Naja… das bekomm ich ohne Umbau und Filter auch hin

 

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn man keine umgebaute Kamera und keine M8.2 hat, die Kamera einzurichten, also den Fokus, die Blende usw. einzustellen (Stativ) und dann den Filter zu montieren.

Die rote Färbung auf den unteren Bildern kommt davon, wenn man mit automatischem Weißabgleich fotografiert. Wenn man den Weißabgleich mit einer Graukarte aber manuell einstellt ist der Rot-Ton in der Rohdatei weg. Auch weiße oder blaue Karten kann man verwenden. Ich probier damit mal bissl rum.

Die Bilder sind bearbeitet mit Offenblende, Auto-Weißabgleich und dem Filter B+W 092 F-Pro aufgenommen. Es gibt noch mehr Filter, die noch mehr sichtbares Licht aussperren, welche aber ohne Stativ so gut wie nicht mehr verwendbar sind. Weil eben noch dunkler und dadurch noch längere Verschlusszeiten.

 

Leica M8.2 mit Voigtländer Nokton f1,4 35mm

 

Die Holzpfähle haben einen grünen Moos-Besatz weshalb sie (eigentlich) weißlich schimmern.

 

Die Pflanzen in den Stiefeln sind (eigentlich) grün, ebenso wie das Gras.

 

Grüner Tannenbaum? Bild nicht bearbeitet.

 

Den gibt es auch in Schwarz-Weiß. Normal in SW fotografiert wären die Äste eher Dunkelgrau bis Schwarz.

 

Das ist eine unentwickelte Rohdatei direkt als JPEG exportiert. Man sieht den Effekt des Infrarotlichts sehr gut… alles Grüne wird Weiß/Grau. Allerdings hat man mit der Rohdatei ein Problem. Die Farbtemperatur ist nämlich deutlich niedriger als der Minimalwert der Farbtemperatur die z.B. Adobe Lightroom oder Photoshop zulassen. Sie liegt bei etwa 1800 K, LR und PS lassen minimal 2000 K zu. Sobald die Bilder in LR importiert wurden bekommen sie wieder einen starken Rotstich. Na klasse… da müht man sich einen ab, macht einen manuellen Weißabgleich und dann geht das mit der roten Farbe von vorne los.

Das Ganze schaut dann so aus:

Hier wurde das Bild direkt in Lightroom unentwickelt exportiert. Deutlich zu viel Rot. Naja, man ist ja nicht doof sondern guckt in Google wie das die Anderen so machen. Da findet man dann Artikel in denen etwas über einen DNG Profile Editor steht. Mit diesem Editor kann man ein Profil anlegen, in welchem die Farbtemperatur deutlich herunter geregelt werden kann. Diese muss man dann nur noch in den CameraRaw-Ordner ablegen und schon kann man das Profil in LR oder PS verwenden. Gelesen, getan…

 

Das kam dabei heraus. Schon deutlich weniger Rot oder? (Aber immer noch zu viel) Wenn man bei diesem Bild nun auf die Farbtemperatur guckt wird man staunen. Da steht nun was von 40.000 K. Hmm, ok? Immerhin hab ich nun Spielraum, den Schieber kann ich ohne Ende nach Links bewegen. Aber irgendwie komme ich halt doch noch nicht ganz auf die Farben der Rohdatei. Und was jetzt?

Ich habe noch ein anderes Programm, mit dem ich mich derzeit stärker beschäftige. Es heißt Affinity-Photo von Serif. Wenn ich die Rohdateien mit diesem Programm öffne habe ich einfach nur die Rohdatei, so wie sie aus der Kamera kommt und kein blutrotes Bild. Das Extra-Profil erstellen entfällt ebenfalls. Allerdings habe ich herausgefunden, dass das nur mit der Desktop-Version geht. Die Version für das iPad erstellt ebenfalls tiefrote Importe.

Bildfehler gibt es leider auch. Wenn das Bild in der Bildmitte einen runden, helleren Bereich aufweist ist das Objektiv zu gut! Dies tritt minimal im Bild unten auf wirkt aber noch nicht störend.

 

Sowas kennt man nun gemeinhin als Infrarotbild. Die helle Farbe statt Grün nennt sich der „Wood-Effekt“. Ein weiteres Merkmal ist der dunkle Himmel. Natürlich funktioniert Infrarot-Fotografie am Besten im Frühling und Sommer, wenn viel Chlorophyll in den Blättern ist. Mit Nadelbäumen geht es aber auch. Da wir grade Winter haben müssen halt eher die herhalten.

 

Infrarot bringt sehr starke Kontraste.

 

Ich probier damit noch weiter herum.  Mal sehen wie sich die Kamera mit dem Filter in der Straßenfotografie macht. Dauert leider noch bissl…

Kommentare (3)

  1. Hallo Bernd,

    danke für dein Kommentar. Das liegt zum Einen daran, dass diese Bilder quasi im Winter entstanden sind (weniger Licht, weniger grüne Blätter) und zum Anderen, dass der Filter,
    den ich verwendet habe nicht besonders stark ist. Aber das passt mir so, ich will keinen Stärkeren. Nur Schwarz-Weiß ist dabei nicht so meins. Nochdazu habe ich zu diesem Zeitpunkt erst begonnen in Infrarot zu fotografieren.
    Von dem her bin ich schon recht zufrieden 🙂
    Machst du auch Infrarot-Bilder? Falls ja würde ich deine Ergebnisse auch gerne mal sehen.

    Gruß Alex

  2. Hallo,

    für mich wäre der Effekt zu schwach. Insbesondere der Wood-Effekt kommt zumindest bei dieser Bildserie nur schwach zur Geltung. Das kann aber auch am Licht zum Aufnahmezeitpunkt liegen?

    LG
    Bernd

  3. Sehr interessant und verständlich beschrieben.
    Auf Bilder aus der Streetfotografie bin ich schonmal gespannt! 😀

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